Mozartschädel – Kurioses um den Totenschädel von Mozart Große Musiker in ihrer Beziehung zu Mödling Wenn   man   sich   mit   den   mysteriösen   Umständen   beschäftigt,   die   sich   um   den   Verbleib   vom   Schädel Mozarts   ranken,   kommt   man   an   der   Person   des   berühmten   Anatomen   Joseph   Hyrtl   nicht   vorbei. Damit    untrennbar    verbunden    ist    in    Bezug    auf    seine    Forschungen    und    Veröffentlichungen    das Mödlinger   Museum   mit   seiner   Hyrtlbibliothek.   Ausgestellt   sind   prächtige   Folianten   aus   dem   15   bis 19.    Jahrhundert    mit    ihren    sowohl    künstlerischen    als    auch    wissenschaftlich    hervorragenden anatomischen   Darstellungen.   Auch   von   Hyrtl   verfasste   Bücher,   anatomische   Schriften   und   wertvolle Exponate   aus   der   weltweit   berühmten   Sammlung   der   Korrosionspräparate   werden   ausgestellt.   Das Mödlinger   Museum   sorgte   für   die   Restaurierung   der   wertvollen   Bibliothek   und   veranstaltete   gemeinsam   mit   dem   Hyrtl-Museum Perchtoldsdorf    Ausstellungen    und    Symposien    in    den    Jahren    1991    und    2000.    Durch    renommierte    Vortragende    konnte    die Aufmerksamkeit   in   ganz   Europa   erregt   werden.   Das   Symposium   1991   stand   unter   der   Leitung   des   leider   verstorbenen   MR   Dr. Rudolf-Josef Gasser und Prof. Peter Karanitsch. Mit   der   Stadt   Mödling   ist   Joseph   Hyrtl   nicht   nur   durch   seine   Stiftung   zur   Gründung   des   Waisenhauses   verbunden,   sondern   auch durch   seine   Freundschaft   mit   dem   Mödlinger   Bürgermeister   Joseph   Schöffel.   Ein   großer   Teil   des   Nachlasses   von   Hyrtl   fand   sich nach   seinem   Tod   im   Waisenhaus   in   Mödling,   darunter   auch   der   vermutliche   Schädel   Mozarts.   Im   Hyrtlschen   Testament   war allerdings keine Verfügung für den weiteren Verbleib des Schädels zu finden. Wie   in   den   Mödlinger   Zeitungen   der   Jahre   1901   und   1902   nachzulesen   ist,   forderte   die   Stadt   Salzburg   nach   dem   Tod   von   Joseph Hyrtl   am   17.   Juli   1894   die   Herausgabe   des   Schädels,   dieser   war   aber   verschwunden.   Erst   7   Jahre   später,   im   Jahre   1901,   wurde dieser in dem von Hyrtl gestifteten Waisenhaus in Mödling gefunden. Es   entstand   nun   ein   Rechtsstreit   über   das   Besitzrecht.   Hyrtl   wollte,   dass   der   Schädel   nach   seinem   Tod   an   die   Geburtsstadt Salzburg   gehen   sollte.   Er   verfügte   dies   handschriftlich   auf   einem   Zettel.   Erst   nachdem   dieses   Dokument   gefunden   worden   war, konnte der Streit im Oktober 1901 beendet werden. Der vermutliche Schädel Mozarts befindet sich seither in der Stadt Salzburg. In   den   Berichten   der   Mödlinger   Zeitungen   rund   um   den   Besitzstreit   des   Schädels   kann   man   die   ungewöhnlichen   Umstände,   wie Hyrtl zu dem Schädel gekommen war, nachlesen. Wahrheit oder Mystifikation? Am   6.   Dezember   1791   wurden   Mozarts   sterblichen   Überreste   am   St.   Marxer   Friedhof   in   Wien   beigesetzt.   Der   Totengräber   Josef Rothmayr   bestattete   den   in   Armut   verstorbenen   Mozart   in   einem   Schachtgrab.   Den   Schädel   hatte   er   mit   einem   Stück   Draht gekennzeichnet.   1801   wurde   das   Grab   neu   belegt.   Der   Totengräber   nahm   den   Schädel   samt   Unterkiefer   aus   dem   vermorschten Sarg und bewahrte diesen als Reliquie auf. Von   seinem   Nachfolger   erhielt   der   Kupferstecher   Jakobus   Hyrtl,   ein   Bruder   des   Anatomen   Hyrtl   und   großer   Verehrer   der   Musik Mozarts,   den   Schädel.   Nach   dessen   Tod,   Anfang   1879,   ging   die   Reliquie   in   den   Besitz   von   Hyrtl   über.   Er   präparierte   und untersuchte den Schädel und erstellte eine Expertise. Aufgrund   seiner   Untersuchungen   und   Vergleiche   mit   Bildern   Mozarts,   “des   großen   Gehörganges   und   der   Schädelform",   kam   er zum   Schluss,   dass   es   sich   seiner   Meinung   nach   um   den   Schädel   Mozarts   handelt.   Das   Ergebnis   seiner   Untersuchung   vermerkte Hyrtl   in   Schlagworten   und   seiner   Unterschrift   mit   Tinte   auf   der   Schädeldecke.   Hyrtl   dürfte   auch   die   Totenmaske   gekannt   haben, denn in einem Bericht aus 1875 stellte er fest, dass diese dem Schädel Mozarts vollständig entspräche. Anlässlich   des   Internationalen   Symposiums   1991   hat   sich   Univ.-Prof.   Dr.   Gottfried   Tichy,   Institut   der   Geowissenschaften   der Universität   Salzburg,   eingehend   mit   dem   Thema   ."Der   Schädel   von   W.   A.   Mozart      eine   Mystifikation"   beschäftigt.   Wie   Tichy ausführte,    kommt    man    eher    zum    Schluss,    dass    der    Schädel,    den    Hyrtl    seinerzeit    besaß,    ausgetauscht    worden    war,    unter anderem war die Zahl der Zähne eine andere als bei Frankl beschrieben. Der   Arzt   und   Schriftsteller   Dr.   Ludwig   August   Frankl   hatte   nach   Untersuchung   des   Totenschädels   im   Jahr   1892   ein   Manuskript mit   dem   Titel   "Mozarts   Schädel   ist   gefunden"   verfasst.   Hyrtl   hatte   die   Richtigkeit   des   Manuskriptes   bestätigt.   Darin   war   die Anzahl   der   Zähne   mit   sieben   angegeben   –   der   Salzburger   Schädel   weist   jedoch   11   Zähne   im   Oberkiefer   auf.   Andererseits   ergab die   Darstellung   Frankls   eine   große   Übereinstimmung   mit   dem   Salzburger   Schädel.   Der   “naturwissenschaftlichen   Beweisführung" stand damit die "historische" entgegen. Gottfried   Tichy   hatte   sich   1986   selbst   mit   der   Untersuchung   des   Salzburger   Schädels   beschäftigt.   Diese   erbrachten   keinen Ausschließungsgrund,    dass    es    sich    nicht    um    den    Schädel    von    Mozart    handeln    könnte.    Im    Jahre    1987    wurden    die    ersten Untersuchungsergebnisse   am   Internationalen   Kongress   für   forensische   Medizin   in   Vancouver   vorgestellt,   unter   anderem   auch die Rekonstruktion der Weichteile. Dr.    Herbert    Kritscher,    Naturhistorisches    Museum    Wien,    ebenfalls    Referent    beim    Symposium    1991,    dokumentiert    in    seiner wissenschaftlichen   Arbeit,   dass   der   Vergleich   der   Weichteilrekonstruktion   mit   den   zur   Verfügung   stehenden   Mozartportraits   eine hochgradige Identität mit dem Schädel Mozarts ergeben hat. Hyrtl   hatte   zu   Studien-   und   Vergleichszwecken   eine   umfangreiche   Schädelsammlung   (ca.   140   Stück),   die   er   zum   Teil   im   Jahre 1874    an    die    Universität    Philadelphia    verkaufte.    Die    Exponate    befinden    sich    heute    im    "Mütter    Museum    of    the    College    of Physicians of Philadelphia". Möglicherweise wurde damals auch über einen Verkauf des Mozartschädels verhandelt. Das   Studium   der   Biografie   Hyrtls   zeigt,   dass   es   nicht   in   das   Bild   des   hervorragenden   Wissenschaftlers   und   ehemaligen   Rektors der   Universität   Wien   passt,   die   Welt   wissentlich   mit   einem   nicht   authentischen   Schädel   Mozarts   zu   narren.   Der   seriöse   und international für seine Arbeiten berühmte Anatom hatte anscheinend keinen Zweifel an der Echtheit der Reliquie. Eine    DNA    Untersuchung,    durchgeführt    von    Wissenschaftlern    aus    den    USA    und    Österreich,    löste    enormes    internationales Interesse   aus.   Die   Internationale   Stiftung   Mozarteum   Salzburg   stellte   den   Schädel   und   eine   Haarlocke   zur   Verfügung.   Am Salzburger   Friedhof   St.   Sebastian   wurden   Skeletteile   aus   einem   Grab   entnommen,   in   dem   die   Großmutter   Mozarts   und   seine Nichte   begraben   wurden.   Leider   konnte   auch   diese   chemische   Analyse   keinen   Beweis   für   die   Echtheit   des   Schädels   erbringen. Mythen      und      Legenden,      Unklarheiten,      Irrtümer      und      journalistische      Ausschmückungen      erschweren      weiterhin      die Wahrheitsfindung. Quellen: Mödlinger Zeitung, Nr. 42 vom 19. Oktober 1901 Mödlinger Zeitung, Nr. 5 vom 1. Februar 1902 Mödlinger Zeitung, Nr. 17 vom 17. August 1946 Katalog "Der Anatom Joseph Hyrtl 1810–1894" zur Eröffnung des Hyrtl Symposiums 1991 und der Sonderausstellungen der Hyrtl Bibliothek Mödling “Mozart – Wolferls Kopf und Nannerls Gebeine” von Reinhard Ott, erschienen in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.11.2004, Nr. 268 Seite 9 “Von Gestern und Ehegestern”. Gesammelte Aufsätze aus Mödlings Vergangenheit und Gegenwart von Robert Eder Mozart - Eine Spurensuche ORF-Dokumentation. Christiane Trötzmüller