Türkennot und Pest - 16. und 17. Jahrhundert Dem   Türkensturm   des   Jahres   1529   fielen   die   Othmarkirche   und   viele   Mödlinger   Häuser   zum Opfer.   Auch   die   Burg   Mödling   wurde   zerstört.      Da   der   Markt   wohlhabend   war,   konnten   viele Bürgerhäuser   bald   wieder   aufgebaut   werden.   Die   Schranne   wurde   1548   als   Gerichtsschranne wiedererrichtet   und   erhielt   fünf   Renaissance-Arkadenbögen,   von   denen   beim   heutigen   Rathaus allerdings    zwei    zugemauert    sind.    Im    Kellerbereich    befand    sich    in    der    damaligen    Gerichts- schranne   ein   niedriges   Verlies,   in   dem   die   Häftlinge   nicht   einmal   stehen   konnten.   Es   ist   heute durch ein Glasfenster im Boden zu sehen. 1607    erhielt    der    Markt    Mödling    ein    eigenes    Landgericht.    Es    wurden    zahlreiche    Grenzsteine gesetzt   und   der   erste   Plan   von   Mödling   gezeichnet,   der   Burgfriedensplan   von   1610.   In   das   17. Jahrhundert   fällt   auch   die   Gründung   des   Mödlinger   Kapuzinerklosters.   1631   entstanden   die Kirche    und    der    anschließende    Klosterbau.    Das    heutige    Museumsgebäude    (das    ehemalige Thonetschlössl)   zeigt   noch   die   Gewölbe   des   alten   Kirchenschiffes,   eine   Seitenkapelle   und   die Sakristei.   1679   wütete   in   Mödling   die   Pest   und   forderte   unzählige   Todesopfer.      Die   Leichen wurden    außerhalb    des    Ortes    in    der    Nähe    des    Pestspitals (Eisentorgasse 12) in Massengräbern mit Kalk übergossen und verscharrt. Vor   dem   verheerenden   Türkensturm   von   1683   flohen   die   meisten   Mödlinger rechtzeitig   in   die   Wälder.   am   12.   Juli   1683   dürfte   es   in   Mödling   zum   Endkampf gekommen   sein.   Das   17.   Jahrhundert   brachte   durch   die   Auswirkungen   des   30- jährigen     Krieges     auch     für     Mödling     einen     Niedergang.     Zu     Anfang     des Jahrhunderts   wurden   noch   274   Häuser   gezählt,   Mitte   des   Jahrhunderts   nur   mehr 192, von denen aber der größte Teil baufällig war.
JOSEPH II. Gegen   Ende   des   18.   Jahrhunderts   gab   es   auch   in   Mödling   bedeutsame   gesellschaftliche   und   soziale   Veränderungen.   1785 erhielt   Mödling   anstelle   eines   Marktrichters   einen   Bürgermeister   (Theodor   Vöckl).   So   wurde   die   Ortsverwaltung   von   der Gerichtsbarkeit   getrennt.   In   diesem   Jahr   wurde   auch   durch   Joseph   II.   das   Mödlinger   Kapuzinerkloster   –   das   heutige Museum    Mödling    –    wegen    der    angeblichen    Existenz    eines    Klosterkerkers    aufgehoben.    Zwei    Mönche    sollen    wegen geringer   Vergehen   jahrelang   in   lichtlosen   Kerkerzellen   gelegen   sein.   1786   fand   das   letzte   Begräbnis   auf   dem   Friedhof   bei der   Othmarkirche   statt.   Von   da   an   benutzte   man   den   Friedhof   um   die   St.   Martinskirche,   bis   1876   am   Fuß   des   Eichkogels der    neue    Friedhof    errichtet    wurde.    Im    Jahre    1795    wurde    wegen    der    Unsicherheit    in    der    Umgebung    die    erste Nachtbeleuchtung installiert. Das Licht von den neuen Laternen sollte Gesindel abschrecken.
Biedermeier Nach   dem   Ende   der   napoleonischen   Kriege   und   dem   darauffolgenden Wiener   Kongress   1914/15   wuchs   die   allgemeine   Tendenz   zur   Teilnahme des   Bürgertums   an   den   Fragen   des   politischen   Lebens.      Frühe   Industrien entwickelten sich noch auf dem Boden der überlieferten Ständeordnung. Die     relative     Ruhe     nach     dem     Friedensschluss     bewirkte,     dass     im persönlichen   häuslichen   Kreis   der   Bürger   das   Bedürfnis   nach   Schönheit und     Behaglichkeit          eine     große     Rolle     zu     spielen     begann.     Künstler entdeckten     die     umgebende     Natur     als     Objekt     für     stimmungsvolle Gemälde. Man reiste auch wohl in die "Sommerfrische" und genoss Wald- und Wiesenlandschaft, als Ort seelischer Erholung. Der Begriff “Biedermeier” bezeichnet die Stilrichtung, die besonders deutlich   in   Bildern   von   niederösterreichischen   Städten   und   Landschaften   zum   Ausdruck   kommt.   Bedeutsamere   Künstler dieser Zeit waren: Friedrich Gauermann, F. G. Waldmüller, Peter Fendi, L. F. Schnorr von Carolsfeld und Vinzenz Reim. Es   wurden   Möbelstücke   entworfen,   die   im   Gegensatz   zur   vergangenen   Stilepoche   des   “Empire”   dem   Wunsch   nach Schlichtheit und Bequemlichkeit entsprachen. Zur   gleicher   Zeit   begannen   liberal   denkende   Menschen   Kritik   an   der   Obrigkeit   zu   üben,   die   alte   Ordnung   in   Frage   zu stellen.   (1830   Revolution   in   Frankreich,   1848   Aufstand   in   Wien   und   Berlin   ).   Der   Aufbruch   in   die   industrielle   Revolution stand bevor.
Barock Die   Stilrichtung   des   Barock   trat   im   16.   und   17.   Jhd.   auf.   Architektonische   Elemente   (Nischen,   Kuppeln, Emporen)   erzeugen   mit   geschwungenen   Linien,   mit   der   Stuckdekoration   und   aufwendiger   Malerei eine dekorative Raumwirkung. Am   Mödlinger   Freiheitsplatz      befindet   sich   eine   barocke Pestsäule    aus    dem    Jahre    1714.    Die    Othmarkirche    hat teilweise   eine   barocke   Einrichtung,   von   der   das   Museum mehrere Figuren beherbergt.
Gerichtskreuz
Kunstvoll       geschmiedetes       Türschloss       mit eingeschnittenem              Doppeladler              mit volkstümlichem Herzornament, Ende 17. Jhd .
Die Breite Föhre in der berühmten biedermeierlichen Darstellung von L. F. Schnorr von Carolsfeld.
Pestkreuz (Zachariaskreuz), aufgefunden in der Gruft der Othmarskirche
Zeitgenössisches Modell des Türkenmassakers bei der Othmarkirche
Zunftwesen Aus    der    Hauswirtschaft    des    Einzelnen,    die    zunächst    alle    Bedürfnisse deckte,     ist     durch     die     Mehrerzeugung     über     den     Eigenbedarf     das Handwerk   hervorgegangen.   Die   Loslösung   des   Vertriebes   der   Artikel   von ihrer      Erzeugung   als   eigene   Tätigkeit   schafft   neben   dem   Gewerbestand den   Handelsstand.   Eines   der   am   frühesten   entwickelten   Gewerbe   ist   das der   Müller.   1343   sind   bereits   zwei   Mühlen   belegt,   im   15.   Jahrhundert   gab es im Bereich Mödling sieben Mühlen. Müller,    Bäcker    und    Fleischhauer    und    später    etliche    andere    Gewerbe haben    sich    zu    Zünften    (Zechen)    zusammengeschlossen.    Von    diesen wurden   Zechordnungen   aufgestellt,   die   Vererbung   des   Handwerks,   Gerichtsbarkeit   und   Bestellung   des   Zechmeisters regelten. Das   Mödlinger   Museum   beherbergt   eine   Menge   von   Sammelobjekten,   die   sich   auf   das   Handwerk   und   das   Zunftwesen beziehen, darunter reich verzierte Zunfttruhen, Fahnen und kunstvoll geschmiedete Schlösser.
Truhe der Müllerzunft, 1688